Kreatives Schreiben – Tag 100

Kreatives Schreiben – Tag 100

Es war ein Moment, den Lizzy zu spät kommen sah. Mit einem gewaltigen Ruck stieß der Achtklässler nach vorne. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer Grimasse, in der seine Augen wie dunkle Löcher wirkten, während seine Zähne, wie die eines Tieres aufklappten und Speichel aus seinem Mund floss.

Lizzy schrie auf, ließ das Requisitenschwert fallen und riss ihren Arm schützend vor ihr Gesicht.

»LIZZY!«

Sie hörte Kents Stimme, ihren Namen rufen, war aber unfähig darauf zu reagieren. Denn im nächsten Moment spürte sie, wie sich zwei Reihen Zähne in ihrem Arm verbissen. Ihr Schrei wurde heller und verklang zu einem Krächzen. Verzweifelt zog sie an ihrem Arm. Doch der Junge hielt sie mit seinen Zähnen fest. Knurrend riss er dabei seine blutunterlaufenen Augen weiter auf.

Da spürte Lizzy noch einen Biss in die nackte Haut ihres Nackens. Erneut schrie sie grell auf, als sie ein weiterer ruckartig an ihrem freien Arm zu sich zog. Ihr Kopf schlug dabei abrupt zur Seite, die Zähne in ihrem Nacken lösten sich und sie öffnete ihre Augen, um durch den tränenverschleierten Blick zu erkennen, dass es Kent war, der sie zu sich zerrte. Mit seinem Baseballschläger schlug er dabei um sich und traf einen der wild gewordenen Schüler am Kopf. Ein knackendes Geräusch erklang, als der Junge mit verdrehten Augen zu Boden ging.

»Lizzy! Wehr dich!«, schrie er. Doch Lizzy konnte keinen klaren Gedanken fassen. Die Schmerzen in ihrem Arm und ihrem Hals waren zu stark. Mit einem Hieb schlug Kent daraufhin nach dem Achtklässler, der sich immer noch in ihrem Arm verbissen hatte und nun daran zerrte, als ob er ein Hund wäre, der das Fleisch von einem Knochen lösen wollte.

Etwas packte Lizzy in dem Moment um die Hüften und riss sie zu Boden.

»ARGHH! Ihr verfluchten Schweine!«, brüllte Kent und schlug auf etwas ein, dass hinter Lizzy an ihren Haaren zerrte. Der Achtklässler kroch mittlerweile vor ihr und hielt mit beiden Händen ihrem Arm. Lizzy nahm das nicht mehr richtig wahr. Sie schrie nur noch. Zu viele hatten sich in ihr verbissen und ihr ganzer Körper bestand nur noch aus Schmerzen.

»Lasst sie los!« Kent gab nicht auf.

»Kent! Lizzy! Haltet durch!«, erklang die Stimme von Jay. Kurz darauf sah Lizzy, wie manche der Bestien, die sich auf sie gestürzt hatten, weggerissen wurden. Doch ehe sie komplett befreit wurde, zog sie etwas an ihren Beinen zu sich. Vergebens versuchte sie sich, an dem glatten Boden festzukrallen.

»LOS, LOS, LOS! Haltet sie fest!«, donnerte Jays Stimme und Lizzy blickte hoch, wo sie erkannte, dass Kent und Jay sie an ihren Beinen unter den Schülern hinaus und Richtung Tür zogen, die Gwen aufhielt. Mit bleichem Gesicht sah sie, wie ihre Freundin in den Flur hinter ihr starrte. Also riskierte sie ebenfalls einen Blick zurück. Ihr Atem stockte, als sie eine wild gewordene Horde sah, die auf die vier zustürmte und sich dabei selbst immer wieder im Weg stand, wodurch sie übereinander stolperten. Dabei hatten sie ihre Arme in die Höhe gerissen und fletschten knurrend die Zähne.

Anmerkung der Autorin:

Zwei Wochen ist es her, seit ich an dieser Geschichte geschrieben habe. Und jetzt lässt sie mich nicht mehr los.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.