Kreatives Schreiben – Tag 102

Kreatives Schreiben – Tag 102

»Du bist auf Kepler Sieben«, antwortete der Mann verwirrt.

»Nein, das meine ich nicht.« Hella versuchte ihren Kopf zu schütteln, gab es dann aber wieder unter Schmerzen auf. »Ich meine, wo genau bin ich. In welchem Sektor?«

»Sektor?«, hakte der Mann nach und warf die Stirn in Falten. »Woher kommst du, Hella?«

»Wie? Was ist denn das für eine Frage?« Hella musterte irritiert sein Gesicht. Er war doch auch ein Mensch, genau wie sie. Seine gebräunte Haut, die kurzen Haare, die hellbraunen Augen … Sie stockte. Die hellbraunen Augen … etwas war anders.

»Was ist los?« Der Mann beugte sich tiefer zu ihr runter und sah sie besorgt an. Da erkannte sie es. Sie waren nicht hellbraun. Sie waren gelb oder ockerfarben. Hat sie jemals einen Menschen mit dieser Augenfarbe gesehen? »Hella?«

»Mir … mir geht es gut«, antwortete sie.

Der Mann nickte und richtete sich wieder etwas auf. »Und woher kommst du?«

»Von der Erde. Ich komme von der Erde«, erwiderte sie und sofort kam ihr der Gedanke, dass es wahrscheinlich ein Fehler sein könnte, ihm alles zu erzählen. Schließlich kannte sie seine Beweggründe nicht. Auch wenn er sich scheinbar um sie kümmerte und sorgte, könnte er ihr dennoch gefährlich werden.

»Von der Erde … ah so …« Seine Augenbrauen zogen sich in der Mitte zusammen, als er sie plötzlich ernst ansah. »Ich habe es fast geahnt.«

»Geahnt?« Plötzlich wurde Hella klar, dass der Mann mit ihr in ihrer Sprache redete und dennoch total überrascht wirkte, als er hörte, woher sie kam. »Wie … wie kommt es, dass du meine Sprache sprichst?«

»Ich spreche sie nicht.« Er sah sie nachdenklich an.

»Aber, du sprichst doch …«

»Du hörst nur das, was du verstehen kannst. Das ist die Gabe meines Volkes. Unsere Sprache ist nämlich allplanentarisch. Wenn wir in unserer Sprache sprechen, kann uns jeder verstehen, egal welcher Sprache er selbst mächtig ist. Du hörst mich in der Sprache der Erdlinge sprechen und für die Jusush hier spreche ich in ihren Zischlauten.«

Hella sah ihn überrascht an.

»Du hast scheinbar von meinem Volk noch nie etwas gehört, wie ich sehe«, sagte er mit einem Schmunzeln. »Nun, wir sind die Resers vom Planeten Resaia.« Er schien kurz zu überlegen. »Wenn ich mich recht erinnere, nennt ihr ihn Kepler sechsundsechzig.«

»Und wer genau bist du?«, wollte Hella wissen.

»Du kannst mich Ben nennen«, antwortete er mit einem Lächeln. »Das ist doch ein Name, der auf eurem Planeten vorkommt, oder?«

Hella nickte, soweit der Schmerz in ihren Knochen es zuließ.

»Und wo genau auf diesem Planeten bin ich?«

»Du bist im südlichen Bereich des hiesigen Großkontinents Jouplaam. Ziemlich weit unten an der Spitze.«

»Das muss dann Sektor D sein«, murmelte Hella und sah grübelnd zur Decke des Zelts. Wie konnte ich nur so weit vom Kurs abkommen, fragte sie sich und plötzliche Verzweiflung überkam sie.

Anmerkung der Autorin:

Ich bin mir noch nicht sicher, ob mir diese Geschichte gefällt. Aber ich schreibe in dieser Challenge ohne Plot und Plan. Also wer weiß, wohin sie mich noch führt.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.