Kreatives Schreiben – Tag 103

Kreatives Schreiben – Tag 103

»Schließ die Tür!«, schrie Jay und Gwen schlug sie mit einem Knall hinter den dreien zu. Der dumpfe Schlag hallte durch den Flur dahinter und Gwen spürte, wie ihr Herz stolperte, als sie mit aufgerissenen Augen auf die Stahltür starrte.

»Geh zur Seite!« Kent stieß sie weg und schob seinen Baseballschläger durch die Türgriffe. Nicht einen Moment zu spät. Denn augenblicklich donnerte es gegen die Tür, als ihre infizierten Mitschüler dahinter gegen die Tür schlugen.

Alle drei wichen von der Tür weg, ohne diese aus den Augen zu lassen. Lizzy selbst richtete sich stöhnend auf ihre Ellbogen auf. In dem Augenblick sah sich Gwen zu ihrer Freundin um. Ihr Gesicht war bleich, als ob alles Blut daraus verschwunden wäre und mit der verschwommenen Wimpertusche, wirkte es beinahe wie ein fleischloser Schädel. Sie ächzte und weinte. Griff dabei vorsichtig nach ihren Wunden an Hals und Arm, aus denen das Blut unablässig hinausquoll.

»Halte durch, Lizzy«, stieß Kent aus und riss seine Sportjacke von den Tigers, dem Basketballteam ihrer Highschool, runter. Mit der purpurnen Innenseite drückte er gegen ihren Hals und zog sie hoch, damit sie aufrecht sitzen konnte.

»Wie geht es ihr?«, fragte Gwen und riss sich nun selbst aus ihrer Starre.

»Ich weiß nicht«, murmelte Kent mit zittriger Stimme.

»Sie haben sie böse erwischt«, sagte Jay und trat einen Schritt von Lizzy zurück.

»Wir müssen sie zu einem Arzt bringen.« Gwen ging in die Knie und griff nach Lizzys verletzten Arm. Der Knochen ihres Unterarms lag frei. Das Fleisch hing in Fetzen herunter und Gwen konnte sogar die Zahnspuren ihres Angreifers sehen, der ein ziemlich großes Stück herausgebissen haben muss.

»Dafür ist es zu spät«, erklärte Jay, der Lizzy widerwillig ansah.

»Nein!«, schluchzte Kent. »Nein, es ist nicht zu spät.« Er drückte Lizzy an sich und wiegte sie vor und zurück. »Lizzy, gib nicht auf.«

»Kent …«, begann Gwen und legte Lizzys verletzten Arm auf ihrem Bauch ab.

Kent reagierte nicht und raunte immer wieder, dass sie nicht aufgeben solle.

»Kent …«, versuchte Gwen es erneut.

»Lass ihn«, sagte Jay und legte seine Hand auf Gwens Schulter. »Lass ihn einfach noch ein bisschen.«

Gwen nickte und erhob sich. Wehmütig blickte sie dabei zur Seite in Lizzys Gesicht, das Kent gegen seine Brust drückte. Dennoch erkannte Gwen genug, um zu wissen, dass Lizzy nicht mehr da war.

Tränen stiegen in ihre Augen und sie schaute hinunter auf ihre Hände. Das Blut ihrer Freundin klebte dort und angewidert begann sie ihre Hände an ihrer Hose abzuwischen. Doch es ließ sich nicht entfernen. Panisch rieb sie sie immer fester an dem Jeansstoff.

»Hey …« Jay griff nach ihrem linken Arm. »Bleib ruhig. Du bist nicht infiziert.«

Anmerkung der Autorin:

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Szenen, die ich hier in dieser Challenge zu dieser Geschichte schreibe, zu einem Roman oder einer Serie mit kurzen Folgen zusammenfassen soll. Ich tendiere aber zur zweiten Option.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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