Kreatives Schreiben – Tag 105

Kreatives Schreiben – Tag 105

Abrupt richteten sich alle Haare auf Bridgets Armen auf. Und ohne zu überlegen stürmte sie ins Wohnzimmer, griff nach ihrem Waffengurt auf dem Beistelltisch und zog ihre Glock heraus. Auf Socken rannte sie wieder zur Küche und hinaus auf die Veranda. In ihren kurzen Jogginghosen und dem dünnen T-Shirt aus ihrer Kollegezeit, stand sie starr auf der mit morschen Brettern ausgelegten Terrasse. Ihre Arme hielt sie durchgestreckt vor sich, die Waffe von ihren Fingern umklammert.

Ihre zuvor noch überwältigende Müdigkeit hatte sich mit einem Schlag aufgelöst. Das Adrenalin pumpte durch ihre Adern und so spürte sie nicht einmal die eisige Kälte der Dezembernacht, die an dem dünnen Stoff ihrer Kleidung zerrte.

»Wer ist da!?«, rief sie in die Finsternis ihres Gartens hinein und bereute es zum ersten Mal, dass sie ihn nicht ausgeleuchtet hatte, wie ihr Exmann immer darauf bestanden hatte. »Ich bin Detective des Detroiter Police Department! Wenn sich hier irgendjemand in meinem Garten aufhält, solle er nun hervortreten!«

Niemand zeigte sich.

Mit einer präzisen Genauigkeit nahm Bridget in den folgenden Sekunden ihren Atem wahr, der vor ihr kondensierte. Zudem spürte sie, wie ihre Finger und Zehen taub wurden. Dennoch entschied sie, nicht zurück ins warme Haus zu gehen, sondern die drei Stufen der hölzernen Treppe hinabzugehen. Unten angekommen schritt sie über das feuchtkalte Gras. Ihre Socken nässten sofort durch. Doch Bridget ignorierte es und schritt weiter vorsichtig auf die Büsche am Ende ihres Gartens zu.

»Ich bin bewaffnet und werde auch schießen, sollte …« Sie hielt inne. Ein blaues Licht hinter dem Bretterzaun ihres Gartens riss ihre Aufmerksamkeit auf sich. »Halt, bleiben Sie, wo sie sind!«, rief sie und rannte auf ihren Zaun zu. Doch als sie es erreichte und sich daran hochzog, um auf der anderen Seite hinunterzuspringen, war das Leuchten mit einem Knall verschwunden.

Bridget zuckte zusammen und verharrte hinter dem Zaun. Ihre Augen weit aufgerissen, versuchte sie alles um sie herum zu erblicken. Doch in der wieder einkehrenden Dunkelheit, konnte sie nichts entdecken.

»Verflucht!«, schimpfte sie, als ein tiefes Bellen sie erneut aufzucken ließ. Ein Rotweiler kam direkt auf sie zugelaufen, die Zähne gefletscht, bereit, um sie zu verscheuchen. Sofort sprang sie wieder auf ihre Seite des Zauns. Da ging beim Nachbarn das Licht an.

»Rosko, halt die Klappe!«, rief der alte Mann und trat gegen seine eigene Verandatür. Der Hund gehorchte abrupt und lief zurück zu seiner Hundehütte. In dem Moment wurde Bridget mal wieder bewusst, wie egoistisch die Menschen sein konnten. Seinen Hund hatte ihr Nachbar nämlich gehört und zur Ruhe ermahnt, um wahrscheinlich keinen Ärger wegen Ruhestörung zu bekommen, doch die beiden Schüsse hatte er völlig ignoriert.

Das ist mit eins der Gründe, was unseren Job so schwer macht, dachte Bridget enttäuscht und lief zurück ins Haus.

Anmerkung der Autorin:

Im Moment ergeben vielleicht manche Informationen noch kein Sinn. Doch zum Schluss klärt sich alles auf.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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