Kreatives Schreiben – Tag 50

Kreatives Schreiben – Tag 50

»Das ist gut«, zurrte die Libelle. »Denn ich brauche deine ganze Aufmerksamkeit.«

»Wofür?«, fragte Fiona und merkte, wie dämlich sie wohl wirken musste, wenn jetzt einer aus dem Fenster der umstehenden Häuser blicken und sie dort mit einer Libelle reden sehen würde. Wenn derjenige die Libelle aus der Entfernung überhaupt erkennen würde. Ansonsten würde er nur ein zierliches Mädchen in den abgetragenen Klamotten ihrer Mutter sehen, das mit sich selbst redete. Was nun auch nicht besser wirkte.

»Fiona, wo bist du mit deinen Gedanken?« Die Libelle flog näher an ihr Gesicht heran. Ihre Augen wirkten wie Juwelen, die sie nun fragend ansahen.

»Ich … ich … na ja, es ist merkwürdig. Ich rede hier schließlich mit einer Libelle.« Fiona konnte ein schüchternes Lachen nicht unterdrücken. »Das muss ein Traum sein.«

In dem Moment flog die Libelle an ihr Ohr und biss hinein.

»AUA!!!«, schrie Fiona auf und fasste hastig nach ihrem Ohr. »Warum hast du das getan?« Tränen stiegen in ihr auf. »Das tat weh.«

»Ich wollte dir beweisen, dass es kein Traum ist«, antwortete die Libelle und ließ ein helles Lachen erklingen, dass sich wie das Leuten von Weihnachtsglöckchen anhörte.

»Aber, du hast mich gebissen.«

»Nur gezwickt. Sie auf deine Hand. Dein Ohr blutet nicht einmal.«

Fiona nahm ihre Hand vom Ohr. Die Libelle hatte nicht gelogen. Es war kein Blut zu sehen.

»Glaubst du mir nun? Habe ich deine volle Aufmerksamkeit?«

Fiona nickte schwach und sah von ihrer Hand zur Libelle. »Was willst du?«

»Deine Hilfe.«

»Meine Hilfe?« Skeptisch sah Fiona sich um, als ob ihr plötzlich klarwerden würde, dass sie nicht nur gesehen, sondern auch gehört werden konnte.

»Ja, denn meine Familie, und damit meine ich alle Wesen meines Planeten, brauchen dich.«

»Was … wovon redest du denn da?«

»Hast du denn noch nie in deiner Nähe eine Pflanze oder Tier beeinflusst?«

Fiona wurde rot und nickte. Das war etwas, dass sie am liebsten sofort loswerden wollte. Denn sogar die anderen Kinder in der Schule hatten es bemerkt. Und sie wollte keine Außenseiterin mehr sein.

»Aber wie soll ich damit jemandem helfen?«

»Folge mir, ich zeig‘s dir«, zurrte die Libelle fröhlich und tauchte in die Büsche.

»Warte!«, rief Fiona und rannte ihr hinterher.

Anmerkung der Autorin:

Hier habe ich eine Szene fortgesetzt, die ich bereits letzte Woche begonnen habe. Ich mag die Geschichte einfach zu sehr. Sie ließ mich nicht los. Also musste ich weiterschreiben.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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