Kreatives Schreiben – Tag 52

Kreatives Schreiben – Tag 52

Wie konnte sie das nur wissen? Woher? Hat mich dieses Miststück einmal in der Abstellkammer der Sporthalle oder dem Mädchenklo dabei beobachtet? Pias Gedanken rasten, genau wie ihr Herz. Das wird sie mir jetzt büßen!

»Pia, was ist denn nur los?«, fragte Zoe und legte vorsichtig ihre Hand auf den Unterarm ihrer Freundin.

»Das kleine Mistvieh da weiß von …«, begann Pia zu brüllen und verstummte abrupt, als sie merkte, dass sie ihr Geheimnis beinahe der ganzen Schule preisgegeben hätte. Innerlich tobte sie vor Wut und wollte sich zugleich auch zurückziehen, um es wieder zu tun, um sich wieder die erleichternden Schmerzen zuzufügen, die ihre bohrenden Gedanken zum Schweigen bringen würden. Doch sie konnte nicht einfach so gehen. Alle würden ihr folgen. Außerdem musste sie Carlotta zur Rede stellen.

»Nun rede schon!«, schrie sie.

Carlotta sah sie mit bleichem Gesicht an. »Ich … ich weiß nicht, wie ich das mache«, sagte sie heiser, als ob der Schreck oder die Angst vor Pia, ihr die Luft aus den Lungen gepresst hätte.

Pia holte nochmals Luft und wollte sie gerade anbrüllen, als plötzlich ein Stich in ihrem Kopf sie zum Schweigen brachte. Sie stöhnte auf, ließ den Zettel fallen und griff sich in die Haare. Wie ein glühendes Messer hatte sich etwas durch ihre Schläfen hinein in ihr Gehirn gebohrt und pochte nun direkt hinter ihrer Stirn. »ARGHH!«

»Pia!«, schrien ihre Freunde verängstigt gleichzeitig und stürmten auf sie zu. Doch Pia stieß sie weg und fiel auf die Knie. »ARGHH! Lass das! Hör auf!«, schrie sie immer wieder.

»PIA!«, schrie nun die Stimme von Mrs. Bronsting, ihrer Biologielehrerin, hinter ihr und sie spürte zwei warme Hände auf ihren Schultern. »Pia, was ist denn los?«

»Sagt ihr, dass sie damit aufhören soll!«, brüllte sie.

»Wem? Womit?«, fragte Mrs. Bronsting und sah sich in den entgeisterten Gesichtern der anderen Schüler um.

»CARLOTTA!«

Mrs. Bronsting sah zu Carlotta. Doch die saß auf dem Boden, etwa drei Schritte entfernt von Pia, und sah ebenso schockiert aus wie alle übrigen.

Pia begann sich die Haare zu raufen, als der Schmerz mit einem Mal aufhörte. Was habe ich nur getan?, hörte sie dann plötzlich eine Stimme in ihrem Kopf. Oh mein Gott, was, wenn die anderen merken, dass ich das war? Das wollte ich doch nicht. Warum musste sie mich nur so ärgern? Warum hat sie mir nicht einfach den Zettel gegeben?

»Raus aus meinem Kopf!«, donnerte Pia und alle Umherstehenden machten einen Schritt zurück, als ob sie verrückt geworden sei.

Aus ihrem Kopf? Bin ich etwa in ihren Kopf? Ich höre es hallen, aber …

»Verschwinde!«, kreischte Pia. »Verschwinde!«

Anmerkung der Autorin:

Das wäre jetzt die andere Sicht. Ist nicht perfekt, aber es macht wahnsinnigen Spaß, auch die andere Sicht zu zeigen. Als Schriftsteller hat man diese ja eh immer im Hinterkopf. Wenn man aber nur aus der Sicht einer Person schreibt, gehen viele wertvolle Informationen verloren.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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