Kreatives Schreiben – Tag 53

Kreatives Schreiben – Tag 53

Es regnete wie aus Kübeln, als Zoe die Route 147 entlangfuhr. Mitten in der Nacht bei solchem Wetter noch unterwegs zu sein, war nicht gerade die klügste Entscheidung gewesen. Aber Zoe blieb keine andere Wahl. Denn seit Stunden kam sie an keinem Motel mehr mit freiem Zimmer vorbei. Also fuhr sie weiter. Bei etwa dreißig Meilen die Stunde, war sie nicht schnell. Und die Suche würde sich somit noch länger hinziehen. Aber sie wollte auf keinen Fall bei der schlechten Sicht und den teilweise unterspülten Straßenabschnitten einen Unfall riskieren.

Die Lüftung warf die feuchte Luft von außen in den Wageninnenraum und Zoe wünschte sich plötzlich mehr denn je erfolgreicher mit ihren Büchern zu sein. Ihr Auto war schon einfach zu alt und gehörte viel eher auf den Schrottplatz, als auf die Straße. Doch dafür musste sie deutlich mehr Exemplare von „Unter dem Mond“ verkaufen. Leider fanden ihre Geschichten über Zombies und Vampire kaum Abnehmer. Die Leser waren diesen Gestalten des Horrors einfach überdrüssig geworden. Das sah Zoe ein. Und deswegen packte sie ihre Sachen in zwei Reisetaschen und machte sich auf den Weg. Ein Trip durch Amerika, von der West- bis zur Ostküste sollte ihr die Idee bringen, nach der sie schon so lange sucht.

Doch mittlerweile durchstreifte sie bereits Tennessee und noch immer tat sich nichts auf ihrem Laptop. Die gleichen leeren Seiten, wie zu Beginn ihres Streifzugs starrten ihr immer noch entgegen.

Vielleicht war es doch nicht so eine gute Idee, dachte Zoe, als sie etwa fünfzig Meter weiter die Straße runter eine Reklame sah, die immer wieder blauen aufleuchtete. Sie kniff die Augen zusammen, um zwischen den dicken Rinnsalen zu erkennen, was da geschrieben stand.

ZIMMER FREI.

»Endlich!«, stieß Zoe erleichtert aus.

Es war eine matschige Straße, die zwischen riesigen Tannen hindurchführte. Doch am Ende sah sie bereits die einladend warmen Lichter. Es war kein Motel, wie Zoe beim Näherkommen bemerkte. Es war viel eher ein altes Herrenhaus aus der Pionierzeit. Majestätisch ragte es mit drei Stockwerken in die Höhe. Die Fenster waren wie bei einem Bauernhaus durch Sprossen unterteilt. Und Säulen hielten ein Vordach aus Stein vor der doppelflügeligen Tür. Zoe umfuhr den Brunnen im Zentrum der Einfahrt und hielt direkt vor der Tür. In der Dunkelheit konnte sie kein Parkplatz erkennen. Doch sie nahm sich vor, in der Rezeption nachzufragen und dann schnell umzuparken.

Ihr Auto knallte, als sie den Motor ausstellte und knirschte missbilligend, als sie die Handbremse anzog. Dann stieg sie aus, holte ihre Reisetaschen aus dem Kofferraum und stieg die Marmortreppe zur Eingangstür hinauf.

»Ja, hier werde ich meine Inspiration finden«, sagte sie zufrieden lächelnd und betätigte die Türklingel.

Anmerkung der Autorin:

Diese Idee hatte ich schon vor Jahren. Doch sie hat mit übernatürlichen Wesen zu tun und davor schrecke ich noch etwas zurück. Denn eigentlich ist SciFi mehr mein Genre.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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