Kreatives Schreiben – Tag 55

Kreatives Schreiben – Tag 55

Dann hörte sie eine männliche Stimme laut grölen und etwas zerbarst in tausend Splittern neben ihr. Das grüne Glas einer Flasche spiegelte sich in der Mittagssonne. Moras Herz begann schneller zu schlagen. Sich zu beruhigen gelang ihr nicht. Aber ihr war klar, dass sie diese Situation nur überleben konnte, wenn sie einen klaren Kopf bewahrte.

Der Sand wirbelte hinter ihr in hohen Wogen auf, als der Wagen neben ihr zum Stehen kam. Sie hustete und hielt sich das Tuch vor ihr Gesicht.

»Hallo, schöne Frau, wohin des Weges?«, spuckte einer der beiden jungen Männer mit kalter Stimme aus und lehnte sich aus dem Beifahrerfenster, während sein dicklicher Kollege am Steuer saß.

Mora blickte nur kurz zu ihnen und ging dann schnell weiter, doch ohne, dass es so aussah, als ob sie vor ihnen fliehen würde.

»Hey, warum denn so unhöflich«, brüllte der Mann und kurz darauf hörte sie eine Tür aufspringen und schnelle Schritte, die auf sie zukamen. Sie blickte zurück und der Mann näherte sich ihr mit einem verschmitzten Grinsen und den Händen in den Taschen seiner blauen Jeans, die ihm ein wenig zu groß zu sein schien, da sie am Gürtel falten warf. Den Oberkörper hatte er frei und drahtige Muskeln zogen sich über seine Brust und Arme, während sein Bauch von zu viel Bier zeugte.

»Willst du in die Stadt?«

Mora reagierte immer noch nicht.

»Wir könnten dich dahin mitnehmen!«, brüllte er nun etwas ärgerlicher. »Hey, bleib doch stehen!«

Schließlich vernahm sie seine eilenden Schritte und merkte viel zu spät, dass sie hätte loslaufen sollen. Die eine Hand packte sie um ihre Taille, während sich die andere um ihre Brust schlang. Sie schrie auf und trat nach allen Seiten, als er sie zu ihrem Wagen zurückschleifte.

»Lass mich los«, dröhnte sie aus trockener, heiserer Kehle. Aber der Mann reagierte nur, indem er sie fester packte.

»Mach die Seitentür auf«, befahl er seinem Kollegen, der sofort aus dem Wagen sprang und um den Wagen herumlief, um die hintere Seitentür aufzuschieben.

Keuchend vor Anstrengung, weil er das tretende und windende Mädchen nicht mehr lange halten konnte, stieß er sie in den hinteren Abschnitt des Transporters. Die Rückbänke waren entfernt worden. Stattdessen lagen zwei alte, fleckige Matratzen auf dem Fahrzeugboden. Drumherum waren aufgerissen Packungen mit Crackern und volle Bierflaschen verstreut. Der Gestank aus einer Mischung von starkem Schweiß, faulen Eiern und schalem Bier, stieg Mora beißend in die Nase.

»Na, zeig dich doch mal, Liebchen.«

Vor Angst kroch sie immer weiter vor ihm weg und schob sich damit in eine Ecke, aus der es kein Entkommen gab. Währenddessen rückte der junge Mann immer näher an sie heran.

»Nimm doch mal das Tuch ab«, zischte er, stieß den Arm nach vorne und riss es ihr vom Kopf. »Du bist wirklich eine Hübsche.«

Hinter ihm gesellte sich nun auch sein Kollege zu ihnen und schloss die Fahrzeugtür von innen.

Sie war in der Falle.

Anmerkung der Autorin:

Das ist die dritte Fortsetzung meiner Serie, die ich hier poste.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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