Kreatives Schreiben – Tag 59

Kreatives Schreiben – Tag 59

»Was wollt ihr von mir«, fragte sie mit bebender Stimme. Natürlich kannte sie die Antwort, aber ihr Verstand verlangte von ihr, wenigstens nachzuhaken, um sicher zu gehen.

Der junge Mann schaute zurück auf seinen Kollegen, der ebenfalls kein Oberteil trug und nur eine Jeans, dessen Beine er über den Knien abgeschnitten hatte, und lachte. Sein Freund stimmte mit ein und entblößte dabei lauter faulende Zähne. Sein Kopf war kahl rasiert und verlieh ihm mit dem diabolischen Lächeln einen bösartigen Ausdruck.

Mora wusste, dass sie jetzt handeln musste, bevor es zu spät war. Bevor sich beide auf sie stürzen würden und sie völlig handlungsunfähig wäre. Ihr Blick wanderte zu den Kekspackungen und Bierflaschen, dann die Innenwände hoch und dort hing etwas, dass sie vorher noch nicht bemerkt hatte. Scheinbar dachten die Jungs selbst nicht mehr daran, ansonsten hätten sie es wahrscheinlich bereits selbst heruntergerissen, um ihr zu drohen.

»Liebchen, wenn du dich nicht wehrst, dann wird es dir auch gefallen. Das verspreche ich dir«, feixte der junge Mann und sein Freund begann zu grölen. »Wir bringen dich danach auch in die Stadt«, erklärte er ihr und blickte mit einem höhnischen Lachen zu seinem Kollegen.

»Und was, wenn ich mich wehre?«, fragte Mora und ihre Augen blitzten erneut zu der Seitenwand des Fahrzeugs.

Nur ein Lachen beiderseits erklang und in dem Moment sprang Mora mit einem Satz auf und griff nach dem Jagdmesser, dass durch die Schlaufe eines alten Gurts, ein Zeuge der Rücksitze, die sich hier einst befunden haben, gesteckt worden war. Sie riss an dem Griff, als sie den massigen Arm seines Freundes um ihren Bauch spürte, der sie von dort wegzog. Mit dem Aufprall ihres Hinterkopfs an der hinteren Wagenwand landete sie wieder in der Ecke. Der Schmerz zog wie tausend Stiche, doch sie ruhte sich nicht aus. Sofort stieß sie wieder nach vorne. Genau im richtigen Augenblick, denn der junge Mann wollte sie gerade an den Beinen packen, um sie auseinander zu drücken. Noch bevor er merkte wie im geschah stecke die gezackte Klinge bis zum Griff in seinem Hals. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er sie und versuchte noch etwas zu sagen, doch nur Blut quoll aus seinem Mund. Sein Kollege schrie hysterisch auf und stürzte sich knurrend auf sie. Hektisch zog sie die Klinge aus dem Hals des anderen heraus, der daraufhin sofort zusammensackte. Doch sie war nicht schnell genug. Denn sogleich begrub der andere sie mit seinem schweren Gewicht unter sich, sodass ihre Hand mit dem Messer unter ihr klemmte. Sein fauler Atem stieß ihr röchelnd in ihr Gesicht, als sie versuchte sich herauszuwinden.

»Das hättest du nicht tun dürfen!«, brüllte er und Mora meinte zu hören wie seine Stimme vor Trauer oder vor Wut oder von beidem zitterte. »Das hättest du nicht tun dürfen!«, schrie er wieder und seine Hand grub sich unter ihrer Hüfte, um sie umzudrehen.

Anmerkung der Autorin:

Ich liebe diese Geschichte mehr und mehr. Ich schätze, daraus werde ich wirklich eine Serie machen.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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