Kreatives Schreiben – Tag 9

Kreatives Schreiben – Tag 9

Seine Nüstern zitterten. Doch seine Begleiterin trieb ihn weiter an. Mit jedem Schritt wirbelte der Staub unter seinen Hufen auf und stieg ihm in die Augen. Und sie trieb ihn weiter vorwärts. Immer weiter, um ihren Verfolgern zu entkommen. Die Zügel zog sie dabei immer wieder so eng heran, dass er unentwegt die Kontrolle verlor. Er musste ihr vertrauen und das gefiel ihm nicht.

Der verdunkelte Himmel, hinter dessen Wolken sich die Mondscheibe immer wieder schob, gab nur wenig von der Umgebung preis. Doch er wusste, dass es eine Wüste war. Kein Leben gedieh hier. Und so heiß es hier tagsüber auch wurde, so kalt konnte es in der Nacht sein. Dennoch lief ihm der Schweiß die Flanken und den Hals hinab und um sein Maul bildete sich Schaum. Die Kraft verließ ihn allmählich. Seine Schenkel zitterten. Aber seine Begleiterin trieb ihn weiter an.

Das Geheule ihrer Verfolger klang beängstigend nahe hinter ihnen. Also wagte er es nicht, dieses Mal zu rebellieren.

Er spürte ihre Angst und er spürte den Hass seiner Verfolger. Und so jagte das Adrenalin weiter durch seine Adern. Als das kalte Mondlicht zwischen den Wolken herausbrach, wurde er dennoch langsamer. Denn mit einem Mal überkam ihn die Hoffnungslosigkeit.

Hügel. Alles was er sah, waren nur noch mehr Hügel aus diesem schwarzen Sand, der jeden seiner Schritte wegrutschen ließ und ihn nur noch mehr seiner kostbaren Kraft kostete.

»Schneller!!«, schrie seine Begleiterin und riss an seinen Zügeln herum, um ihn eine Kurve um eine besonders steile Erhebung laufen zu lassen.

Da geschah es. Irgendetwas knackte. Und sofort spürte er den Schmerz in seiner rechten Fessel, der sich wie ein Blitz hoch zu seiner Schulter arbeitete.

Mit einem Wiehern vor Schmerz schlug er herum. Seine Begleiterin stürzte aus dem Sattel und er selbst fiel ebenfalls zu Boden. Noch mehr Sand wirbelte auf, trieb ihm in Mund und Nase. Aber das kümmerte ihn nicht. Er spürte nur noch den Schmerz, der durch seinen gesamten Körper zog.

»Oh Nein!«, rief seine Begleiterin und kam ganz nah an sein Gesicht heran. Er wieherte leise. Ihr Gesicht war so lieblich. Ihre Hände so zärtlich. Doch er konnte nicht mehr. Hinter ihr sah er ihre Verfolger, wie Schatten des Unheils auf sie zu pirschen. Er schloss die Augen und gab auf.

Anmerkung der Autorin:
Dieses Mal war es wirklich nicht einfach etwas zu schreiben. Ich hoffe, es ist mir dennoch gelungen, es spannend zu gestalten.

© Patrizia K. Werner 2019

Alle Rechte, einschließlich des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Dies ist eine fiktive Geschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten und sonstigen Begebenheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.