Lehrreiche 8 Jahre

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Was hast du aus deiner Arbeit an Panteona mitgenommen?

Oh man, diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Es war die letzten 8 Jahre nämlich ein Auf und Ab gewesen. Mal war ich im Flow und mal habe ich monatelang keinen Satz zu Papier bringen können. Letzteres folgte jedoch regelmäßig auf einen Flow, den ich ausgequetscht habe, bis in meinem Hirn alle Warnlampen angingen, weil es eine Pause brauchte.

War das deine Routine? Ein Wechsel aus Schreibphasen und Phasen, in denen du sozusagen deine Akkus aufgeladen hast?

So könnte man das ausdrücken. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich eine Schreibroutine alla Stephen King habe, der seit Jahrzehnten täglich nach dem Frühstück für drei bis fünf Stunden schreibt. Leider hat das bei mir nie funktioniert. Irgendwann leckte meine Kreativität am Asphalt meiner Hirnrinde, die einfach nichts mehr hergab. Mittlerweile habe ich das verstanden und begonnen Schreibwochen und Lesewochen einzuführen, die sich abwechseln. So habe ich immer eine Woche Pause, in der ich lese, bevor ich meine grauen Zellen wieder anzapfe.

Gibt es denn etwas, dass deine Kreativität fördert?

Alle kreativen Köpfe haben eine Quelle aus der sie schöpfen können. Meine ist ganz eindeutig die Musik. Ich weiß, dass ist wenig spektakulär. Ich wette, da draußen werden dir 80% aller Schriftsteller das selbe antworten. Der Unterschied mag wohl eher darin liegen, welche Musik man hört. Bei mir sind es epische Soundtracks aus Filmen.

Ach, und viel Schlaf. Aus meinen Träumen habe ich schon so manche Szene geholt.

Und anders rum. Was funktioniert gar nicht oder stört deine Arbeit sogar?

Puh … da muss ich leider sagen, dass ich mich schnell ablenken lasse. Nicht von meinem Smartphone oder ähnlichem. Es sind eher die stressigen Phasen im Leben, bei denen ein Termin auf den anderen folgt, das Kind krank ist oder mich sonstige Sorgen plagen. Dann schweift mein Hirn ständig ab und ich beginne zu grübeln. Da ich schon immer jemand war, der nicht still sitzen konnte, verfalle ich dann in eine Art Aktionismus. Sprich, ich beginne Dinge zu reparieren, plane Bastelprojekte für die Kleine oder schreibe endlos lange To-Do-Listen, die ich dann doch nicht abarbeite. Alles nur, um mich abzulenken. Denn eines werden sicherlich meine Kollegen bestätigen. Du brauchst Ruhe in deinem Kopf, um kreativ schreiben zu können.

Wie hast du eigentlich zum Schreiben gefunden?

Nach meinem Studium habe ich eine lange Zeit nur Bewerbungen geschrieben. Auch mein guter Abschluss konnte nichts daran ändern, dass ich eine Phase erwischt habe, in der der Markt nichts für mich hergab. Also habe ich in der Hoffnung in den Wissenschaftsjournalismus zu gehen, ein Praktikum bei einer lokalen Zeitung begonnen. Schnell war klar, dass mir das Schreiben Spaß machte. Mein Mann war es dann, der mich auf die Idee brachte, die Leerphase meines Lebens mit dem Schreiben eines Romans zu füllen. Und so führte das eine zum anderen.

Hast du noch einen Tipp zum Schluss für andere junge Autoren?

Das ist schwierig zu beantworten, da jeder seinen eigenen Weg finden muss. Doch damit diese Suche nicht wie bei mir Jahre dauert, kann ich ja verraten, was mir geholfen hat. Es klingt so simpel, dass man sich beinahe verhöhnt fühlen könnte. Aber es ist meine Erfahrung. Und in der habe ich gelernt, dass das Schreiben ein Handwerk ist, das täglich trainiert werden will. Schreib jeden Tag ein bisschen. Es müssen keine Kurzgesichten sein. Es muss noch nicht einmal ein Zusammenhang bestehen, sprich: Du musst nicht an der Geschichte weiterschreiben, die dein Hauptprojekt ist. Es reicht, wenn du einfach nur eine Szene schreibst, die dir gerade in den Sinn kommt. Fang einfach an und beende sie, sobald du merkst, dass es nichts mehr zu sagen gibt.

Auch auf die Gefahr hin, dass alle Autoren nun Schnappatmung bekommen, aber mir hat das mehr geholfen als das Lesen. Ich lese noch nicht einmal täglich. Aber ich schreibe!